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Autor Thema: Peter Greenaway  (Gelesen 2285 mal)

Offline B

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Peter Greenaway
« am: 04. Juli 2011, 10:53:14 »
Da mein Account gelöscht wurde, war Lowpass so nett mir die Möglichkeit zu geben den Thread neu aufzusetzen damit ich ihn überarbeiten kann. Danke dafür! Der Artikel ist dahingehend verändert worden, dass ich anstelle der vielen Filme nur noch einen - dafür aber genauer - vorstelle. Ihr findet jetzt auch eine Inhaltsangabe, und Informationen zu den SchauspielerInnen.

Peter Greenaway (*1942)

ist ein englischer, leider relativ unbekannter, Regisseur, den ich aber allen Filminteressierten dringend ans Herz legen möchte! Denn dieser Mann hatte nichts geringeres im Sinn, als den Film zu revolutionieren :  ) ob es ihm gelungen ist, darüber möchte ich gerne mit euch diskutieren.

Als Einstiegfilm bietet sich sein bekanntester Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (The Cook the Thief His Wife & Her Lover ) an. Der Film stammt aus dem Jahr 1989. Die Hauptdarsteller sind: Richard Bohringer, Michael Gambon, Hellen Mirren. Tim Roth hat eine Nebenrolle. Wie bei zahlreichen Filmen von Peter Greenaway war auch hier Michael Nyman für die musikalische Untermalung zuständig.

Bevor ich mit der Inhaltsangabe weitermache, hier noch ein Zitat aus dem Lexikon des internationalen Films:

„Manieristisch gedehnte, mit eigenwilliger Ästhetik gestaltete Rachetragödie nach Vorbildern des jakobäischen Dramas, die in physischer Direktheit auf stilisierte, aber dennoch krasse Schockelemente zurückgreift. Ein hermetisches, grausiges Bild eines zerstörerischen, selbstbezogenen und sinnlosen Kosmos.“

Inhalt:
Es geht um ein Ehepaar, Albert und Georgina Spica , das sich regelmäßig mit den Gangsterfreunden des Ehemannes im französischen Restaurant „Le Hollandais“ trifft.  Albert Spica ist einer der widerwertigsten Figuren, die es gibt. Er misshandelt seine Frau, ist ein Rüpel, geschmacklos und ohne jede Moral. Seine Frau ist nahezu sein Gegenstück, kann sich aber nicht von ihm trennen, da sie Angst vor ihm hat. Im Restaurant wird sie auf einen Mann aufmerksam und beginnt dort eine Affäre mit ihm. Der Koch spielt für die Liaison eine nicht unerhebliche Rolle. Doch Albert Spica wittert, dass etwas nicht stimmt. Mehr will ich nicht verraten, außer: Das Ende ist äußerst makaber und der Film dafür berühmt!

Was gerade Greenaways Filme so besonders macht, ist die Verknüpfung zu anderen Medien. wie Theater, Malerei, Musik oder Architektur. Egal mit welcher Kunstrichtung er sich im Film auseinandersetzt, diese bestimmt anschließend die Form. Im konkreten Fall sieht das so aus, dass sich in The Cook the Thief His Wife & Her Lover  am Anfang und am Ende des Films z.B. ein Vorhang öffnet bzw. schließt – wie im Theater, bzw. im Kino (Eventuell als Verfremdungseffekt, also um uns zu sagen: Leute, das ist ein Film?) Das  „Essen“ ist das große Thema im Film. Jedes Kapitel wird mit einer restaurantypischen Speisekarte eingeleitet.



Formgebend sind außerdem die Farben. Jedem Raum ist eine andere Farbe zugeordnet: die Straße ist blau, die Küche grün, das Restaurant rot und die Toilette weiß. Alberts und Georginas Kleidung (Jean-Paul Gaultier entwarf übrigens die Kostüme) wechselt je nachdem welchen Raum sie betreten, ebenfalls in dessen Farbe. Bei allen anderen Figuren ist das nicht der Fall.

Restaurant (rot)

Küche (grün)

Toilette (weiß)



Diesn Film kann man sich auf Youtube anschaun: The Cook the Thief His Wife & Her Lover: http://www.youtube.com/watch?v=FWBDgNxEVdM
« Letzte Änderung: 28. Juli 2011, 09:23:53 von Lowpass »
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Peter Greenaway
« am: 04. Juli 2011, 10:53:14 »

Lowpass

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #1 am: 04. Juli 2011, 12:34:49 »
So. Ich hab jetzt mal Der Kich, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber bestellt und bin gespannt. :)

Offline B

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #2 am: 04. Juli 2011, 13:26:05 »
 :D was war jetzt das ausschlaggebende für deine umentscheidung?
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Lowpass

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #3 am: 05. Juli 2011, 14:28:51 »
Na wenn Du so begeistert bist, dann will ich's doch zumindest mal versuchen. :)

Offline B

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #4 am: 06. Juli 2011, 11:21:36 »
bin schon sehr gespannt, was du dazu sagst!
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Lowpass

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #5 am: 26. Juli 2011, 13:28:03 »
So, ich habe mir den Film angesehen.
Meine Stimmung war gespannt und ohne konkrete Erwartungen - ich habe Deine Ausführungen zum Film erst danach gelesen. Ich lasse mich gerne überraschen.
(wobei man sie in diesem Fall sicher auch sehr gut vorher lesen kann, da sie dem "Filmvergnügen" wahrscheinlich eher zuträglich sind)

Der Film orientiert sich ganz stark am Theater. Das fiel mir grad' als erstes auf (wobei ich den aufgehenden Vorhang noch nicht einmal bewusst wahrgenommen habe).
Entsprechend ist für mich die Sache mit dem Vorhang naheliegend. Es ist tatsächlich mehr Theateraufführung als Film. Alles orientiert sich am Theater, selbst auf dem Gesprochenen liegt so viel Hall, dass der Eindruck eines großen Publikumssaals entsteht, der sich irgendwo unsichtbar vor der Bühne befinden muss. Auch die Kamerafahrten zwischen den Räumen vermitteln den Eindruck von gegen vorne geöffneten Bühnenbildern.

Für mich mit meiner ablehnenden Haltung gegenüber gewisser Auswüchse des sogenannt "modernen" Theaters war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass es mit Pisse und Scheiße losgeht und es schien mir nur eine Frage der Zeit, bis auch gekotzt wird (nach 30 Minuten war es dann soweit). Fairerweise muss ich anmerken, dass es schlussendlich zur Thematik passt: es wird ja auch die ganze Zeit widerlich gefressen.

Im ursprünglichen Thread über Peter Geenaway hatte ich geschrieben, dass das wohl nichts für mich ist, weil ich vor allem Wert auf Handlung lege. Und damit lag ich ganz genau richtig. Der Fokus dieses Films liegt in keinster Weise auf der Handlung, denn diese ist grundsätzlich unspektakulär und in 2 Sätzen erzählt: Die Frau eines Verbrechers geht fremd. Es kommt was kommen muss...
Für mich ist das einfach zu wenig, vor allem wenn es sich bei den Charakteren wie bei Albert um einen völlig überzeichneten Stereotyp handelt und die Dialoge nicht der Rede wert sind. Tatsächlich empfand ich den Charakter des Verbrechers so unnötig ausgewälzt wie ein Witz, den man ohne Unterbruch ein Dutzend mal hintereinander erzählt... zudem ein Witz, den ich schon beim ersten mal nicht sonderlich lustig fand'.

Natürlich kann man alles mögliche in diesen Film hineninterpretieren oder herauslesen (ich will Greenaway nicht unterstellen, er habe nicht alles mögliche inszenierungs-technische eingebaut - das hat er wohl)... und genau für Leute, die gerne interpretieren und herauslesen, scheint mir dieser Film zu sein.
Die Aussenwelt wird zur Hölle, der Speisesaal zur Konsumwelt, die Bibliothek zum Paradies usw. Wer Allegorien liebt, wird wahrscheinlich auch diesen Film lieben.

Aber der Film lohnt sich sowieso - schließlich sieht man in mehreren Szenen Helen Mirren nackt...
Nein, dieser Kommentar ist nicht primitiv oder infantil... das ist Kunst. :)
« Letzte Änderung: 26. Juli 2011, 20:00:42 von Lowpass »

Offline B

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #6 am: 26. Juli 2011, 19:38:36 »
wow... du schreibst echt gut!  :D
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Lowpass

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #7 am: 26. Juli 2011, 20:46:26 »
 ???
Willst Du mich jetzt veralbern oder meinst du das ernst...?
Naja, ich les' zur Zeit Matthias Zschokke. Vielleicht färbt das ja ab.  :D

Offline B

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #8 am: 26. Juli 2011, 20:56:50 »
nein, ich mein das ernst! ich finde deinen stil total unterhaltsam. wahrscheinlich hat es mir mehr spaß gemacht deinen kommentar zu lesen, als es dir spaß gemacht hat, den film zu schaun  ;)

ich mag den film aber trotzdem noch genau so gern wie vorher : )
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Lowpass

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #9 am: 26. Juli 2011, 23:05:25 »
ich mag den film aber trotzdem noch genau so gern wie vorher : )

Ja hoffentlich. :)
Ich habe mir extra Mühe gegeben, dass es nicht zu böse klingt. :)

Danke fürs Kompliment. :D

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Re: Peter Greenaway NEU
« Antwort #9 am: 26. Juli 2011, 23:05:25 »

 

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